INTELLIGERT

September 17, 2009

Boni

Gespeichert unter: Ökonomie — Schlagworte: , , — intelligert @ 6:17

Die Finanzkrise hat eine Diskussion über Manager-Boni ausgelöst, und Linke fordern einen Lohndeckel. Die Unsinnigkeit einer derartigen Reglementierung werde ich nachfolgend aufzeigen; zuerst müssen wir einem ihrer Argumente recht geben: Die Höhe der Bezahlung von Manager widerspiegelt in keiner Weise deren Wert. Und der Einwand, Spitzensportler würden noch mehr verdienen, wie etwa von Roger Köppel vorgebracht, ist in mehrfacher Hinsicht irreführend. So ist die Leistung im Bereich Sport eng mit dem Erfolg verknüpft, auch wer sich nicht für Tennis interessiert ist in der Lage, Roger Federer als Weltklassespieler zu erkennen, und ihn damit von einem Amateurspieler zu unterscheiden. Man müsste schon auf beiden Augen blind sein, wollte man dies von Manager behaupten. Genau diese Schwierigkeit der Leistungsbeurteilung in Bereichen, in denen Erfolg und Leistung nur probabilistisch zusammenhängen, führte zur Einsicht, dass Boni auf „nachhaltigem“ Erfolg beruhen müssen. Hier muss zwingend darauf hingewiesen werden, dass es von vollkommener ökonomischer Unkenntnis zeugt, wenn man der Ansicht ist, die Leistung eines Managers könne nach wenigen Jahren anhand dessen Erfolgs beurteilt werden. Die Subprime-Blase brauchte gut ein Jahrzehnt zum platzen, auch LCTM wurde nach drei Jahren noch gehyped.

Das Problem mit der Limitierung liegt zuallerletzt darin, dass ein Unternehmen nicht mehr die besten Leute anstellen kann. Die stümperhaften Kriterien, nach denen heute beurteilt wird, vereiteln dieses Vorhaben im Vornherein. Es ist aber so, dass diese Debatten penetrierende, hirnrissige Meinung eine Art „Self-fullfilling Prophecy“ darstellt: Eine Firma, welche unter eine solche Reglementierung fällt, wird von Anlegern abgewertet. Desweiteren: Wenn es so ist, wie wir festgestellt haben, dass Unternehmen einen Fehler machen, wenn sie ihre Manager überrissen bezahlen, dann wird mit einer Reglementierung ein notwendiger Lernprozess abgeschaltet: Jene die ihren Managern mehr bezahlt hätten, als sie durch deren Leistung zurückbekommen hätten, werden diesen Fehler nicht mehr machen können; aber nicht weil sie etwas von Ökonomie verstehen, sondern weil sie vom Gesetz dazu gezwungen werden. Ist die jetzige Krise erst mal in Vergessenheit geraten, oder verlieren etatistische Ideen an politischem Einfluss, wird die Reglementierung wieder aufgehoben und wir sind so weit wie heute.
In einem einiger massen freien Markt ist es aber so, dass Firmen mit unsinnigen Bezahlungsstrukturen einen evolutionären Nachteil haben – Sie bezahlen für ihre Dummheit. Hier ist jedoch ein wichtiger Hinweis notwendig: Der Markt ist in verschiedener Hinsicht nicht frei. Auf die in diesem Kontext stärkste Marktverzerrung hat bis jetzt merkwürdigerweise noch Niemand hingewiesen: Adam Smiths unsichtbare Hand funktioniert wie Darwins Selektionsmechanismus auf Trial and Error. Zufällige Mutation gewährleistet, dass Möglichkeiten unabhängig von ihren vermeintlichen Erfolgschancen ausprobiert werden. Dieser Mechanismus verhindert evolutionäre Fehlentwicklungen. Bei der alleinigen Übertragung dieses Systems auf den Markt, unter Ausserachtlassung anderer Dömanen des Menschlichen, passiert einem leicht ein Fehler. Es ist nämlich so, dass die Existenz von staatlichen Akademien mit ökonomischen Fakultäten einen ansonst freien Markt zu einem unfreien machen. Anders gesagt – Man kann nicht beides gleichzeitig haben. Die mit staatlicher Autorität ausgestatteten Akademien stellen in sich eine Marktverzerrung dar. Die Ideen, die an Akademien erzeugt und gelehrt werden, sind keine zufälligen: Sie haben eine empirische, rationale oder ideologische Begründung. Zudem sind sie von der merkantilen Selektion abgekoppelt, sie unterliegen anderen Selektionsmechanismen, die nicht immer objektiv erfassbar sind, wie mathematische Schönheit oder intellektuelle Eleganz (So geistert das Black-Scholes-Modell heute noch an Akademien rum, obwohl es empirisch schon vor Jahrzehnten widerlegt wurde).
Die im Fall der Manager-Boni bestehende Gefahr liegt dem gemäss darin, dass keine Korrektur stattfinden kann, weil das System keine oder zuwenige Entscheidungsträger hervorbringt, die mit einem adäquaten Entlöhnungssystem die bestehenden Strukturen konkurrenzieren.

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